NEWS

Wrack der verschollenen Cessna 172 aus Uetersen gefunden

Ende September vergangenen Jahres startete eine Cessna vom Flugplatz Uetersen-Heist mit Ziel Bayreuth. Doch das Flugzeug flog stattdessen einen nördlichen Kurs – und verschwand spurlos.

Von Alexander Busch
Fischer haben die Cessna 172 aus Uetersen nach mehr als einem Jahr aus der Nordsee gefischt.
Fischer haben die Cessna 172 aus Uetersen nach mehr als einem Jahr aus der Nordsee gefischt. Bild: Screensot/X.com

Rätselhaft war der Fall von Beginn an: Der Pilot verhielt sich ganz anders als vom Vercharterer erwartet. Mit einer Cessna 172 flog er nach dem Start in Uetersen nicht wie angekündigt nach Bayreuth. Er drehte Richtung Nordsee, flog aufs offene Meer hinaus und verschwand dort. Selbstmord stand als wahrscheinlicher Hintergrund im Raum. Nun hat ein Fischerboot das Wrack mit der Leiche des Piloten im Meer bei Schottland gefunden.

Von außen betrachtet hätte es ein ganz gewöhnlicher Flug werden sollen. Ein Besuch bei Verwandten in Bayern. 235 Nautische Meilen sind es vom Flugplatz Uetersen-Heist (EDHE) nach Bayreuth (EDQD). Ein damals 62 Jahre alter Pilot charterte sich dazu eine Cessna 172 bei der Flugschule Hamburg. Bei einer Reisegeschwindigkeit von etwa 120 Knoten hätte das eine Reisezeit von knapp zwei Stunden ergeben. Das Wetter war gut, 15 Grad Außentemperatur, leichter Wind. Die Cessna 172 aus Uetersen startete am 30. September 2023 um 10.27 Uhr unter Sichtflugbedingungen auf der Piste 27. Doch sie sollte nie in Bayreuth ankommen.

Mehr noch, die Cessna ist nicht einmal in Richtung Süden abgeflogen. Noch vor dem Überqueren der Elbe drehte das Flugzeug auf einen nordwestlichen Kurs. Eine halbe Stunde nach dem Start passierte es die Grenze des dänischen Luftraums, knapp zwei Stunden später flog es in den norwegischen Luftraum ein. Funkkontakt bestand seit dem Start in Uetersen nicht mehr, weder zur Flugsicherung noch zu einem Fluginformationsdienst. Um 16.45 Uhr erfasst die norwegische Flugsicherung etwa 70 Meilen südöstlich der Shetlandinseln das letzte Radarsignal der Cessna. So steht es im Abschlussbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU). Seitdem galten Flugzeug und Pilot als verschollen. Doch jetzt, mehr als ein Jahr später, ist Bewegung in den Fall gekommen.

Verschollene Cessna 172 von Fischer im Meer entdeckt

Eine Grafik zeigt den Flugverlauf der Cessna über der Nordsee.Eine Grafik zeigt den Flugverlauf der Cessna über der Nordsee.
Flugverlauf vom Start bis zum Ende der Radarspur. Foto: BFU Bild: BFU

Über ein Jahr später, genauer gesagt am 6. Dezember 2024, entdeckte das schottische Fischerboot „Benarkle II“ auf der Nordsee nordöstlich von Lerwick auf den Shetlandinseln die Überreste einer Cessna 172. Das Wrack verfing sich im Schleppnetz des Trawlers. Im Flugzeug seien menschliche Überreste gefunden worden, so die schottische Polizei. Die britische Behörde zur Flugunfalluntersuchung Air Accidents Investigation Branch (AAIB) bestätigte kurz darauf, dass es sich um ein in Deutschland zugelassenes und das im vergangenen Jahr über der Nordsee verschollene Flugzeug handelt. Die Behörden vor Ort untersuchen nun in enger Zusammenarbeit mit der BFU die Umstände.

Flugschule Hamburg wurde von der Kriminalpolizei angerufen

Marcel Merz, Head of Training/Flightcrew der Flugschule Hamburg, wusste mit als Erster vom möglichen Fund der verschwundenen Cessna 172. Zum fliegermagazin sagte er: „Uns hat die Kripo angerufen und darüber informiert, dass ein Wrack gefunden wurde. Interpol hatte sich gemeldet und sagte, es sei möglich, dass es sich um die Maschine unserer Flugschule handelt.“ Merz habe dann Fotos zugeschickt bekommen, die er sich angeschaut hat. „Ich war mir relativ schnell sicher, dass es sich um unsere Cessna 172 handelt. Allein die Lackierung war ein relevantes Indiz.“

Das gesamte Team sei jetzt beruhigt, denn der Fall könne nun endgültig abgeschlossen werden. „Es ist aber gleichzeitig auch ein komisches Gefühl, dass auf allen Kanälen darüber berichtet wird“, so Merz.

Über den Autor
Alexander Busch

Alexander Busch, Jahrgang 2002, studierte im bayerischen Eichstätt Journalistik mit Schwerpunkt Politik und Gesellschaft – Luftfahrt stand leider nicht zur Auswahl. Die schon seit der frühen Kindheit vorhandene Leidenschaft für die Fliegerei lebt der gebürtige Braunschweiger im Luftsportverein seiner Universitätsstadt aus. Dort begann er im Frühjahr 2021 mit dem Segelfliegen. Etwa ein Jahr später lag die Lizenz bereits im Briefkasten, es folgte die Umschulung auf Reisemotorsegler und anschließend die UL-Lizenz.

Schlagwörter
  • Flugunfall
  • verschollen
  • Cessna 172
  • Uetersen-Heist
  • Flugschule Hamburg