UL-Pilot-Report: AutoGyro MTOsport 2017
Sieben Jahre nach der Vorstellung des MTOsport brachte AutoGyro den Nachfolger auf den Markt, den MTOsport 2017: keine Neuentwicklung, sondern ein Facelift des Bestsellers mit über 100 Änderungen. Der Pilot Report von Henning Kado
Mehr als 100 Anregungen, Wünsche und Verbesserungsvorschläge von Piloten, Flugschulen und Wartungsbetrieben sind in die Weiterentwicklung des MTOsport 2017 eingeflossen. Das neue Modell wurde zeitgleich Anfang April auf der AERO in Friedrichshafen und auf der Sun’n Fun in Florida vorgestellt. Am Montag gleich nach der AERO hatte ich die Gelegenheit, den neuen Gyrocopter in Hildesheim Probe zu fliegen.
Evolution Statt Revolution
Das 2017er-Modell kommt frischer und moderner daher; hierzu wurde das Design des Rumpfboots komplett überarbeitet und das Leitwerk aerodynamisch optimiert. Die LED-Scheinwerfer erinnern an den Cavalon. Der Flieger wirkt jetzt etwas gedrungener und ist auch tatsächlich breiter geworden. Die Seitenlinie ist tiefer heruntergezogen, sodass der Einstieg etwas bequemer ist. Ein Griff am Cockpit-Panel erleichtert das zusätzlich, und wem das „Nichts“ links und rechts nicht ganz geheuer ist, für den gibt es optionale Sidebars, eine Art Geländer, das zum Einstieg hochgeklappt werden kann.
Ängstliche Passagiere werden diese psychologische Sicherheit zu schätzen wissen. Eine tragende Funktion haben die robust wirkenden Bügelrohre nicht, die Festigkeit der Struktur liefert nach wie vor der geschweißte Edelstahlrahmen, an den alles andere angeschraubt ist. Für die Motorisierung stehen die Rotax-Varianten 912, 914 und – sobald er auf dem Markt erhältlich ist – auch der neue Turboantrieb 915 zur Auswahl. Mit den leistungsstärkeren Triebwerken darf das maximale Abfluggewicht 560 Kilogramm betragen, beim 912 ULS ist es auf 500 Kilo limitiert.
Einfache Wartung: der Motor des MTOsport ist mit einer großen Wartungsklappe ausgestattet
Mein Testflieger war mit dem 914er-Turbomotor ausgestattet. Der Motor hängt hinten nicht mehr komplett im Freien, sondern ist jetzt, insbesondere obenherum, großzügiger abgedeckt. Für die Ölstandskontrolle gibt es eine große Wartungsklappe. Wem es optisch gefällt, der kann weitere Designelemente wie eine Mastverkleidung, einen Propellerspinner oder einen Radschuh für das Bugrad ordern; aerodynamisch bringen diese Teile keinen Vorteil.
Die Tankgeometrie nutzt jetzt den vorhandenen Raum besser aus, sodass ein Fassungsvermögen von 94 Litern möglich wurde. Damit ist eine Reichweite von bis zu 700 Kilometern drin. Befüllt wird der Tank über einen „richtigen“, abschließbaren Tankstutzen an der Seite. Die bisherigen Kanister unter dem Passagiersitz sind Vergangenheit. Apropos Sitze: Der Sitzkomfort im neuen MTOsport hat deutlich dazugewonnen.
Es gibt eine optionale Sitzheizung; beide Sitze sind jetzt in Position und Höhe verstellbar. Werden sie nach hinten verschoben, senken sie sich ab; nach vorne geschoben für kleine Piloten werden sie höher. Zusätzlich lassen sich die Seitenruderpedale vorn und hinten, unabhängig voneinander, vom Sitz aus in einem weiten Bereich verstellen. Eine ebenso simple wie geniale Mechanik mit einer S-förmigen Seilführung am Pedal macht dies möglich.
Hoher Sitzkomfort: der MTOsport lässt sich optional mit einer Sitzheizung ausstatten
Das Cockpit lässt keine Wünsche offen. Das Panel ist flacher und breiter und bietet mehr Platz für Instrumente und Avionik als im alten MTOsport. Auch die Schmelzsicherungen sind nun endlich auf das Panel gewandert und damit direkt zugänglich. Das Panel selbst ist etwas zurückversetzt, sodass es von oben abgeschattet wird und insbesondere die elektronischen Anzeigen besser ablesbar sind.
Gasgriff, Bremse und Choke sind wie gewohnt auf der linken Seite angeordnet, wobei der Choke jetzt als separater Hebel ausgeführt ist. Der Steuerknüppel ist unverändert geblieben, an ihm sind die Tasten für Funk, Prerotator und Trimmung angebracht. Optional ist jetzt neben der Trimmung um die Querachse auch eine Trimmung um die Längsachse (Roll-Trim) erhältlich.
Neues Kupplungssystem: Probleme mit dem Prerotator gehören beim MTOsport der Vergangenheit an
Anlassen und Rollen liefern keine Überraschungen, aber beim Vorrotieren wird es interessant: Das Drehmoment wird nicht mehr wie beim alten MTOsport mit einem pneumatisch gespannten Flachriemen von der Propellerwelle abgenommen, sondern über eine Scheibenkupplung direkt von der Kurbelwelle. Dabei kommt das so genannte Kupplungssystem III zum Einsatz, welches auch im aktuellen Cavalon verbaut wird. Die Probleme mit dem Prerotator, mit denen der Cavalon am Anfang zu kämpfen hatte, sollen bei diesem System der Vergangenheit angehören.
Das Winkelgetriebe ist jetzt gleichzeitig Untersetzungsgetriebe, überarbeitet wurden auch Bendix-Ritzel und Zahnkranz am Rotorkopf, um ein größeres Drehmoment und höhere Drehzahlen zu übertragen. Tatsächlich kann der Rotor jetzt bis auf 300 Umdrehungen pro Minute vorrotiert werden, also deutlich höher als bisher. Das ist nicht mehr weit weg von der Takeoff-Drehzahl; entsprechend muss der Rotor beim Startlauf gar nicht mehr voll nach hinten geschwenkt werden, und die Startstrecke verkürzt sich deutlich.
Gleicher Spaß mit größerem Komfort: Der neue MTOsport ist eine Weiterentwicklung des Vorgängers
Im Flug macht der Neue genauso viel Spaß wie der Vorgänger, jedoch mit größerem Komfort. Der breitere Rumpf und die größere Scheibe reduzieren die Luftverwirbelungen im Cockpit. Das gilt besonders für den hinteren Sitz, wie ich später noch feststellen durfte. Die flachere Bauform führt auch zu einem veränderten Horizontbild, die Nase liegt tiefer als beim alten MTOsport, weshalb es beim ersten Flug eine gute Idee ist, etwas öfter auf den Fahrtmesser zu schauen.
Das Flugverhalten ist sehr stabil und ruhig, auch die Rotorvibrationen fallen gering aus. Im Reiseflug lässt sich die gewünschte Geschwindigkeit mit dem Kreuztaster am Knüppel präzise austrimmen und damit völlig kräftefrei fliegen. In meinem eigenen MTOsport habe ich mir schon oft ein Roll-Trim gewünscht, wenn ich mal wieder den Knüppel mit den Knien halten musste, um die Karten zu wechseln. Mein Eindruck ist allerdings, dass sich das neue Modell etwas träger anfühlt. Dies mag dem TOPP-Rotorsystem geschuldet sein, mit dem mein Testflieger ausgerüstet ist (erkennbar an den blauen Endkappen).
Stabileres Flugverhalten: der MTOsport ist mit dem TOPP-System ausgestattet
Gegenüber dem Rotorsystem II ist das TOPP-System vier Kilogramm schwerer; im Flug speichert der Rotor dadurch mehr Energie, und die Blätter werden auch steifer. Dies führt zu einem stabileren Flugverhalten, aber auch zu höheren Steuerkräften, was wohl den etwas trägeren Eindruck hervorruft. Werkspilot Mathias Oestereich versichert mir aber, dass sich das Gerät mit dem TOPP-System genauso agil fliegen lässt wie der Vorgänger, und er will das auch gleich im Anschluss demonstrieren. Aber erstmal möchte ich noch ein paar Touch-and-Gos fliegen. Der kräftige Wind kommt böig aus Nordwest, steht also deutlich quer auf die Piste 25 in Hildesheim. Dennoch lässt sich der neue MTOsport sehr präzise steuern und problemlos über der Bahn ausrichten. Ich glaube, ich kann mich vielleicht doch mit dem TOPP-System anfreunden.
Lehrersitz: Ein Lehrerschlüssel beschützt vor versehentlichem Ausschalten des Triebwerks
Jetzt tauschen wir die Plätze. Mathias fliegt, und ich nehme hinten auf dem Passagier-/Lehrersitz Platz. Hier fällt sofort das zweite Panel ins Auge, das dem Fluglehrer eigene Instrumente für Fahrt, Höhe, Motordrehzahl und Rotordrehzahl zur Verfügung stellt. Zusätzlich sind eine Reihe von Warnleuchten für Temperaturen, Öldruck, Turbo/Boost und Treibstoffvorrat vorhanden. Ein eigener Lehrer-Schlüsselschalter ermöglicht es, das Triebwerk auch von hinten zu starten; bereits die beiden Magnetschalter sind nur wirksam, wenn der Lehrerschlüssel aktiviert ist.
Ein Passagier, der hier an den Schaltern herumspielt, kann also nicht mehr versehentlich das Triebwerk stilllegen – Flugschulen wird das ganz bestimmt freuen. Auf dem Rücksitz sitzt man deutlich weniger zugig als beim alten Modell. Die hintere Scheibe ist sogar links und rechts bis auf Taillenhöhe des Vordersitzes heruntergezogen. Wer mag, kann die Unterarme bequem auf den Sidebars ablegen und sich sogar auch daran festhalten – alles sehr gemütlich und entspannt. Nun legt Mathias und fliegt ein paar schnelle Kurvenwechsel und Steilspiralen, und da ist es auch schon zurück: das mir vertraute und anfangs etwas vermisste MTOsport-Feeling.
Mein Fazit: Gratulation an das Team von AutoGyro! Der neue MTOsport sieht nicht nur optisch schicker und moderner aus, er hat sich auch in Bezug auf Komfort und Flugverhalten sehr positiv weiterentwickelt. Wer ein Spaßgerät sucht, das auch zum entspannten Reiseflug taugt, macht mit diesem Flieger nichts falsch.
Text: Henning Kado, Fotos: AutoGyro, Henning Kado fliegermagazin 06/2017
- 5,10 m (ohne Rotor)
- 2,70 m
- 1,90 m
- 245 bis 295 kg
- 500 kg mit Rotax 912 ULS; 560 kg mit Rotax 914 UL oder 915 iS
- 94 l
- Rotax 912 ULS/100 PS, Rotax 914/115 PS, Rotax 915 iS/135 PS
- 30 m (mit Rotax 912 ULS; 20 m mit 914)
- ca. 700 km
- ab 65 000 Euro
- 145 km/h
- 185 km/h
- AutoGyro
- MTOsport
- Gyrocopter
- Tragschrauber